Landesspital: Hickhack muss aufhören

Zu einem Neubau eines eigenen Landesspitals hat die Bevölkerung im Jahr 2011 zwar Nein gesagt – doch ein eigenes Spital möchte sie trotzdem. Bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein, müssen doch nicht nur bauliche Hürden überwunden werden. Das zeigt ein öffentliches Bürgerforum welches gestern durchgeführt wurde.

Irgendwie erinnert die Diskussion um das Landesspital an die Trennung von Kirche und Staat: Man will ja, aber trotzdem funktioniert es nicht. Gesetzliche Hürden, finanzielle Interessen und nicht zuletzt auch noch verletzte Eitelkeiten und persönliche Unstimmigkeiten erschweren den Lösungsweg. Während Kirche und Staat ihre Wege hingegen auch ohne Lösung des Problems wie bisher weitergehen können, drängt in der Frage der Gesundheitsversorgung des Landes die Zeit. Deshalb hat die Regierung eine Vorlage zu einem geplanten Spitalneubau vorgelegt. Über die der Landtag im März zu befinden und am Ende wohl die Bevölkerung abzustimmen hat.

Damit es nicht zu einem ähnlichen Debakel wie im Jahr 2011 kommt – die Bevölkerung sagte mit 58,1 Prozent der Stimmen Nein zu einem Neubau – wollten die Demokraten pro Liechtenstein gestern zumindest ein Stimmungsbild abholen und haben ein öffentliches Bürgerforum durchgeführt. Die rege Besucherschar zeigte, wie gross das Interesse an diesem Thema ist und wie sehr es nach wie vor die Gemüter bewegt.

«Altlasten endlich sanieren»

Als Experten wurden die Landesspital-Direktorin Sandra Copeland, Hausarzt Marco Ospelt, LKV Geschäftsführer Thomas Hasler sowie Hansjörg Marxer – ehemaliger VR-Präsident der Medicnova – und Vertreter für die Belegsärzte eingeladen. Und es zeigte sich einmal mehr eindrücklich, dass zwar jeder eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung will, doch über den Weg dahin alles andere als Einigkeit besteht. Seitenhiebe gegen die Politik und den LLS-Stiftungsrat blieben nicht aus, Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini und Michael Ritter konnten aber aufgrund anderer Verpflichtungen nicht am Anlass dabei sein und sich dazu äussern. Dafür zeigte sich Landesspital-Direktorin Sandra Copeland umso engagierter und rührte durchaus die Werbetrommel – auch wenn sie bzw. das Landesspital zwischen den Stühlen stehen und allzu oft als Spielball zwischen Politik und Ärzten herhalten muss.

Hansjörg Marxer, der im Jahr 2011 übrigens als Präsident der Bürgerinitiative «Pro Landesspital» fungierte, verglich gestern die damalige und die heutige Ausgangslage. Nicht geändert habe sich auf jeden Fall der Umstand, dass eine zeitgemässe medizinische Versorgung einen Spitalneubau erfordere. Damit die neue Vorlage aber wirklich mehrheitsfähig sei, seien noch einige Hausaufgaben zu erledigen, weshalb ein «Schnellschuss» fehl am Platz sei. Vor allem müssten die Altlasten im Umgang mit den Ärzten saniert werden – eine personelle Änderung in der strategischen Führung des Landesspitals sei nötig. Ausserdem müssten endlich glaubwürdige Entscheidungsgrundlagen vorgelegt werden, die stabile Daten und nachvollziehbare Prognosen enthalten würden. Und: «Das Spital Grabs ist einzubeziehen.» Dass mit diesem auf Konfrontaktionskurs gegangen werde, sei für ihn unverständlich, die Freundschaft zum Nachbarn werde damit doch arg strapaziert. Zudem habe sich bereits bei der Abstimmung im Jahr 2011 gezeigt: Die Liechtensteiner wollen diesen Einbezug. Marxers Haltung ist also klar: Für ihn müssen zuerst zahlreiche Grundsatzfragen geklärt werden, bevor überhaupt ein Neubau eines Landesspitals erfolgen sollte.

Wunsch nach Frieden ist auf allen Seiten da

Auch Hausarzt Marco Ospelt sprach klare Worte. «Damit ein eigenes Landesspital funktionieren kann, muss das Ärzte-Bashing aufhören, sonst sehe ich schwarz!» Sollte es nicht gelingen, die einst verärgerten Belegärzte wieder für sich zu gewinnen, werde es auch enorm schwierig werden. Er ärgert sich darüber, dass die Regierung das Landesspital als «Drehscheibe in der Grundversorgung» bezeichne. «Das ist falsch. Drehscheibe sind die Grundversorger», stellte er klar. Deshalb sei es auch völlig verfehlt, Qualitätsmessungen nur am Spital vorzunehmen. «Bevor wir uns an diesen Neubau machen, muss das unproduktive Hickhack aufhören. Ebenso die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Der Beitrag eines jeden sollte gewürdigt, einander zugehört und aufeinander zugegangen werden.»

Tatsächlich hat auch Sandra Copeland eine persönliche Wunschliste, nachdem in den vergangenen Jahren Geschirr zerschlagen wurde. «Gestalten wir die Zukunft – gemeinsam. Bauen wir Brücken zueinander. Und entwickeln wir mehr Selbstvertrauen in die eigenen Stärken und Fähigkeiten.» Die in der Tat bestehenden Mauern könnten nicht von heute auf morgen eingerissen werden, nun sei es wichtig, gegenseitig wieder Vertrauen aufzubauen.

Auch wenn sie auf die Ärzte zugehen und «Klinken putzen» will, um das Vertrauen zurückzugewinnen, so wird es laut Hansjörg Marxer trotzdem nicht einfach werden. Und das hat nichts mit Nicht-Wollen zu tun. Doch während bereits praktizierende Ärzte bewährte Kooperationen wohl kaum aufgeben würden, lasse das bestehende Gesundheitssystem auch nur schwer neue Ärzte im Land zu. (dv)


Source: Vaterland Liechtenstein

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