Gemeinden setzen sich für Bedürftige ein

Seit rund sechs Jahren verteilt die Abgabestelle Liechtenstein des Vereins «Tischlein deck dich» wöchentlich rund 620 Kilo Lebensmittel an Bedürftige. Da der alte Sponsoringvertrag auslief, springen neu alle Gemeinden mit insgesamt 38 000 Franken ein.

An Dienstagnachmittagen ist in der Evangelischen Kirche in Vaduz einiges los. Menschen mit Einkaufstüten und Kühltaschen in der Hand warten vor dem Gotteshaus, bis sich pünktlich um 16.30 Uhrdessen Türen öffnen. Sie werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Liechtensteiner Abgabestelledes Schweizer Vereins «Tischlein deck dich» empfangen. Die Wartenden drücken ihnen dieBezugskarte in die Hand und legen – völlig selbstverständlich – einen Franken auf den Tisch. Sie kommen aus ganz Liechtenstein und haben etwas gemeinsam: Jeden Franken mehrmals umdrehen zu müssen. Deshalb sind sie froh, wenn sie zumindest der Kauf von Lebensmitteln nicht zu viel kostet. Gratis sollen die Nahrungsmittel aber nicht sein, erklärt Renate Frommelt, Administratorin der Liechtensteiner Abgabestelle: «Es ist ein symbolischer Akt. Denn was gratis ist, hat für viele keinen Wert.»

Dieser Ablauf ist schon seit dem Frühjahr 2012 derselbe. Nur war es bis Mitte vergangenen Jahres nicht die Evangelische Kirche, in der die Lebensmittel ausgegeben wurden, sondern die Alte Metzg in Schaan. Aus Platzgründen habe man einen neuen Ort gesucht, so Frommelt. «Nun geht die Ausgabe schneller über die Bühne und lange Warteschlangen werden vermieden.» Nebst dem neuen Ort kommen 2019 weitere Änderungen auf die Vaduzer Abgabestelle zu: Der Sponsoringvertrag mit der bisherigen gemeinnützigen Stiftung ist Ende 2018 ausgelaufen. Neu konnte sie die Vorsteherkonferenz ins Boot holen. Somit werden alle Gemeinden zunächst während der kommenden vier Jahre einen Franken pro Gemeindeeinwohner spenden.

Zusätzliches Geld wird gut investiert

Die 38 000 Franken sind mehr, als die Abgabestelle eigentlich wollte. Für den Transport und die fachgerechte Lagerung der gespendeten Produkte bedarf es einer entsprechenden Logistik mit genügend grossen Lagerräumen und Kühlfahrzeugen. «‹Tischlein deck dich Schweiz› versucht, den Aufwand möglichst gering zu halten. Trotzdem ist es nötig, dass sich jede Abgabestelle anteilmässig an den entsprechenden Aufgaben beteiligt», erklärt Frommelt. So ist auch jene in Vaduz verpflichtet, jährlich einen Beitrag von 30 000 Franken zu leisten. Um diese Summe baten die 22 Ehrenamtlichen der Liechtensteiner Abgabestelle die Mitglieder der Vorsteherkonferenz. «Sie haben den Betrag sogar von sich aus erhöht, das freut uns sehr», sagt Frommelt. Was die Abgabestelle mit den zusätzlichen 8000 Franken anstellen wird, weiss Frommelt bereits: «Das Geld geht an ‹Tischlein deck dich› in Chur. Sie haben erst kürzlich eine Dörrmaschine erworben, um Früchte zu trocknen und so länger haltbar zu machen. Nun können weitere solche Investitionen getätigt werden. Davon profitieren wir selbstverständlich auch.»

Denn die rund 620 Kilogramm an Lebensmitteln, die der Abgabestelle in Vaduz wöchentlich zur Verfügung stehen, werden aus Chur geliefert. Die dortige Abgabestelle hat das nötige Lager und die benötigten Kühlfahrzeuge, um den Erhalt der Kühlkette sicherzustellen. Dennoch stammen einige Produkte auch aus Liechtenstein. «Neben den grossen Lieferanten wie Coop und Migros erhalten wir regelmässig Spenden von der Herbert Ospelt AG und der Hilcona», mein Frommelt. 40 bis 50 Familien und Einzelpersonen kommen jeden Dienstag, um sich eine ausgewogene Ration an Gemüse, Früchten, Fleisch, Brot und Teigwaren abzuholen. Mit diesen Produkten werden so pro Woche bis zu 150 Personen versorgt. Wenn nach der Ausgabe etwas übrig bleibt, wird es an einen Balzner Bauern weitergegeben, der die Lebensmittel ebenfalls an Bedürftige verteilt oder sie in einem letzten Schritt an seine Tiere verfüttert. «99 Prozent der Lieferung werden verbraucht», betont Frommelt.

Hemmschwelle mit Neuerung überwinden

In den vergangenen Jahren ist das Interesse an der Liechtensteiner Abgabestelle stetig gewachsen. Es könnten aber noch mehr von Armut betroffene Menschen von den wöchentlichen Lieferungen profitieren. Damit sie sich aber auch trauen, um Hilfe anzusuchen, hat das Liechtensteiner Team 2019 eine weitere Neuerung eingeführt. Wurde die Bezugskarte bislang nur beim Amt für Soziale Dienste ausgestellt, ist das ab diesem Jahr auch bei Institutionen wie der Caritas oder der Stiftung «Liachtbleck» möglich. «Aus der Erfahrung heraus haben wir festgestellt, dass einige von Armut betroffene Personen sich vor dem Gang zum Amt scheuen. Und das, obwohl sie auf jede Hilfe angewiesen wären», erklärt Frommelt. Jetzt sollte diese Hemmschwelle überwunden sein.

Trotzdem seien einige nach dem Umzug nach Vaduz nicht mehr gekommen. Frommelt führt das auf den Fussweg von der Bushaltestelle bis zur Kirche zurück. «Konnte man früher direkt vor der Alten Metzg aussteigen, muss man nun rund 400 bis 500 Meter gehen.»


Source: Vaterland Liechtenstein

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